„Unser Land hat die besten Voraussetzungen“
Tirol tut sich hervor. Als Gastgeber internationaler Sport-Events beweist
das Sportland Kompetenz. Tirol-Werbung-Geschäftsführer Josef Margreiter erzählt im Interview, was Großveranstaltungen für Tirol bedeuten und wie die – möglicherweise olympische – Zukunft aussieht.
aiffeisen kompakt: Herr Margreiter, Sport-Großevents haben in Tirol Tradition. Nun reihen sich einige neue Veranstaltungen ein – die Rad- und die Kletter-WM, die Nordische Ski-WM und vielleicht sogar Olympische Spiele. Woher kommt diese Ausweitung des Fokus? Josef Margreiter: Die Themen Klettern, Nordischer Skilauf sowie Rad in all seinen Facetten passen perfekt zur Marke Tirol und nehmen auch in unserer Kommunikation einen zentralen Stellenwert ein. Olympische Spiele sind natürlich eine Kategorie für sich und wie ich glaube eine einmalige Chance für den gesamten Standort Tirol. Denn hier könnte sich unser Land als erstklassige und vielfältige Wintersportdestination vor dem größten internationalen Publikum präsentieren, welches wir mit unseren normalen Möglichkeiten nie erreichen können – und ich bin überzeugt, dass der gesamte Standort Tirol von Olympischen Winterspielen langfristig nur profitieren kann.
Braucht Tirol Großevents im Sport ganz generell? Welchen Nutzen bringen sie?
Wir positionieren uns seit Jahren mit gutem Grund als Sportland Nummer eins der Alpen und nutzen unsere Sportlichkeit als Differenzierungsmerkmal gegenüber unseren Mitbewerbern. Sportveranstaltungen spielen hierbei eine entscheidende Rolle – sie besitzen eine hohe Strahlkraft und tragen aufgrund der damit einhergehenden Medialisierung unser sportliches Image in die Welt hinaus. Es geht bei diesen Sportveranstaltungen also nicht nur um die unmittelbare Wertschöpfung und Kompetenzentwicklung vor Ort, sondern um die nachhaltigen kommunikativen Effekte, die positiv in die Marke Tirol einzahlen.
Ist der Effekt solcher Veranstaltungen überhaupt quantifizierbar?
Rund um eine Olympiabewerbung von Innsbruck und Tirol wurden die Effekte Olympischer Spiele im Land evaluiert:
der Bau von 400 gemeinnützigen Wohnungen in Innsbruck, die nachhaltig der Bevölkerung zur Verfügung stehen, rund 1.000 Arbeitsplätze, die allein im Rahmen der Organisation von Olympia entstehen würden, Geldleistungen für IOC-Investitionen in Tirol in Millionenhöhe, die allerdings nur fließen, wenn Olympia kommt – dies sind nur drei von vielen Effekten, von denen der Lebensraum Tirol und seine Bevölkerung nachhaltig profitieren kann. Und für die Marke Tirol bedeutet die internationale Wahrnehmung – zuletzt gab es 2,1 Milliarden Olympia-TV-Zuschauer in 220 Ländern – ein unglaubliches Potenzial zur Steigerung unserer Bekanntheit und Beliebtheit. Auch davon wird der heimische Wirtschaftsstandort langfristig profitieren.
Gibt es ein „zu groß“ bei Events?
Diese Frage muss wohl mit Ja beantwortet werden, insbesondere, wenn man sich den gegenwärtigen Gigantismus Olympischer Spiele anschaut.

„Wir positionieren uns seit Jahren mit gutem Grund als Sportland Nummer eins der Alpen und nutzen unsere Sportlichkeit als Differenzierungsmerkmal gegenüber unseren Mitbewerbern.“
Josef Margreiter, Geschäftsführer Tirol Werbung
Deshalb hat sich Tirol bei einer möglichen Bewerbung auch für einen eigenständigen Weg entschlossen – mit Spielen in einem neuen Format: moderater, kleiner, umweltverträglich und damit auf die hervorragenden Grundlagen Tirols abzielend. Die Werbewirkung betreffend gibt es natürlich, um eine starke internationale Wahrnehmung zu generieren, kein „zu groß“, hingegen bei Image und Sympathie lässt sich mit maßvollen Veranstaltungen besser punkten.
Was braucht eine Veranstaltung, um noch nachhaltig zu sein?
Großveranstaltungen sind dann positiv zu sehen, wenn sie keine Defizite im öffentlichen Budget zur Folge haben.
Aus ökologischer Sicht wäre die Durchführung der Veranstaltung gemäß den Kriterien eines „Green Events“ erstrebenswert. Und die nachhaltigen sozialen Aspekte betreffend lohnt es sich drittens, eine enkeltaugliche Strategie umzusetzen sowie die völkerverbindende Idee von Olympia zu nutzen, um im Idealfall die sportlichen Bewerbe mit Integrationsprojekten für Menschen unterschiedlicher Kulturen und sozialer Schichten zu verbinden.
Ist eine Kombination von touristischer Wirksamkeit und Nachhaltigkeit möglich, ohne dass ein Aspekt ins Hintertreffen gerät?
Ja, diese Kombination kann in Tirol deswegen gelingen, weil unser Land ideale, wenn nicht sogar vielleicht die besten Voraussetzungen hat, um Großveranstaltungen durchzuführen.
Die Machbarkeitsstudie hat dies als eine Art „Fitnesscheck“ für Tirol deutlich hervorgebracht: Wir verfügen von St. Anton bis nach Hochfilzen über sehr bewährte Sportstätten auf Weltklasse-Niveau, die fast alle mit nachhaltigen Mobilitätslösungen erreichbar sind. Was hier und dort noch fehlt, kann mit dem Projekt Olympia 2026 jedenfalls auf den neuesten Stand gebracht werden – das ist eine einmalige Chance! Und die touristische Infrastruktur und Dienstleistungskompetenz ist in Tirol ohnehin – auch im internationalen Vergleich – erstklassig.
Vielen Dank für das Gespräch.
Zukunftsstiftend
„Für mich stellt sich die Frage, was Tirol heute ohne die großen Sportveranstaltungen der Vergangenheit wäre“, sagt Josef Chodakowsky, Präsident des Ski-Clubs Arlberg und Aufsichtsratsmitglied der Raiffeisen-Landesbank Tirol AG. „Innsbruck zehrt noch nach über 40 Jahren von der Rolle als Olympia-Stadt.“
Mit den internationalen Events, die in den kommenden Jahren in Tirol ausgetragen werden, und einer möglichen Olympia-Bewerbung sieht er eine einmalige Chance für das Sportland. Winterspiele in Tirol würden weltweites Werbepotenzial bieten, das dem Tourismus – Tirols wichtigstem Wirtschaftstreiber – zugutekommt. „Olympische Spiele 2026 in Tirol wären ein klares Signal für die zukünftige Entwicklung Tirols: Sportland Nr. 1 – Tourismusland Nr. 1 – Land mit der besten Lebensqualität!“