Österreichs Unternehme­r­innen sind treibende Kraft in der Wirtschaft

Österreichs Frauen sind top ausgebildet, stehen mit beiden Beinen im
Erwerbsleben und meistern oft auch den leider immer noch viel zu schwierigen Spagat zwischen Job und Familie. Es gilt, die großartigen Leistungen von Frauen in der Wirtschaft sichtbarer zu machen.

Gastkommentar: Martha Schultz, Foto: prader@prader.at
RLB Gastkommentar 1903 A48 Schultz

 

 

Zur Person: 

Martha Schultz ist Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich und Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft. Die Tirolerin führt gemeinsam mit ihrem Bruder das Familienunternehmen und ist als Geschäftsführerin der Schultz-Gruppe u. a. für Marketing, Controlling und Verkauf zuständig.

 

 

B

esonders erfreulich: Unsere Wirtschaft wird immer weiblicher – die 130.000 Unternehmerinnen sind mittlerweile eine treibende Kraft in unserem Land. 2018 wurde mehr als jedes dritte Unternehmen in Österreich von einer Frau geleitet und bei den Unternehmensgründungen konnten wir mit über 45 Prozent sogar einen Rekord einfahren und den höchsten Frauenanteil aller Zeiten erreichen. Unsere Unternehmerinnen leisten also einen enormen Beitrag für die heimische Wirtschaft – sorgen für Wohlstand und Arbeitsplätze in diesem Land –und tragen, quer durch alle Branchen, jeden Tag dazu bei, Österreich zu einem hochentwickelten und innovativen Wirtschaftsstandort zu machen. Sie verdienen also unsere volle Wertschätzung und Unterstützung!

 

Zudem sind Österreichs Unternehmerinnen top ausgebildet: Ein Drittel der selbstständigen Frauen verfügt über einen Universitäts- bzw. Fachhochschulabschluss, ein Viertel hat die Lehre erfolgreich abgeschlossen. Frauen sind ganz klar auf der Überholspur. Diese wirtschaftliche Realität muss nun auch in unserem Alltag ankommen und in politischen Entscheidungsprozessen berücksichtigt werden. Vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist und bleibt eine große Herausforderung für alle Frauen, die im Berufsleben stehen. Immerhin hat auch knapp die Hälfte aller selbstständigen Frauen Kinder.

Top-Forderungen: Kinderbetreuung und steuerliche Entlastung

Ganz oben auf unserer Agenda steht demnach weiterhin die rasche Verbesserung der bundesweiten Kinderbetreuungssituation – und zwar in quantitativer wie auch in qualitativer Hinsicht. Unser Fokus liegt hier auf Betreuung von Kleinstkindern und Betreuung in den Randzeiten, denn Unternehmerinnen haben meist keinen 9-to-5-Job. Mehr als ein Drittel der Unternehmerinnen muss auch an den Wochenenden arbeiten. Daher braucht es zusätzlich zu erweiterten Öffnungszeiten auch die Unterstützung von individuellen und flexiblen Lösungen.

„Frauen sind ganz klar auf der Überholspur.“

Martha Schultz, Unternehmerin und Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft

 

Es freut uns natürlich, dass die Bundesregierung unsere langjährige Forderung nach einheitlichen Herbstferien endlich aufgegriffen hat. Das war ein wichtiger Schritt in Richtung bessere Planbarkeit und Familienfreundlichkeit, dem aber dringend weitere folgen müssen. So sollte etwa in den Sommerferien an Pflichtschulen eine zeitgemäße Ferienbetreuung angeboten werden.

 

Neben der Vereinbarkeit hat die steuerliche Entlastung unserer Betriebe für uns oberste Priorität. Die finanzielle Entlastung ist nicht nur für mittlere und große, sondern auch für kleinere Unternehmen ein zentrales Thema. Frau in der Wirtschaft hat in den vergangenen Wochen gemeinsam mit der Jungen Wirtschaft bereits über 9.000 Unterstützungserklärungen für die Forderung nach der steuerlichen Begünstigung des Büros im Wohnungsverband gesammelt. Oft liegt der Arbeitsplatz bzw. das Büro von Ein-Personen-Unternehmen im Wohnbereich und ist schwer räumlich trennbar. Deshalb wollen wir, dass die steuerliche Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für ein Arbeitszimmer im Wohnungsverband erleichtert wird. Es sollen dafür jährlich 1.500 Euro pauschal steuerlich abzugsfähig sein – auch dann, wenn der Mittelpunkt der Tätigkeit zwar außerhalb des Arbeitszimmers liegt, aber kein anderer Arbeitsplatz verfügbar ist.